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GenAI Leitfaden: Wie HBRs Artikel des Jahres Orientierung schafft

Kurze Antwort: Mit zwei Fragen und einem einfachen Leitfaden.

In Zeiten von Hypes und Untergangsszenarien rund um AI ist Souveränität ein kostbares Gut. Anfang des Monats hat die Harvard Business Review den Artikel „The GenAI Playbook for Organizations“ von Bharat N. Anand und Andy Wu als Artikel des Jahres ausgezeichnet. Statt großer, lauter Prophezeiungen liefert er einen pragmatischen Leitfaden und konkrete Schritte, mit denen Unternehmen jeder Größe starten können. Die Autoren raten dazu, nicht zu rätseln „Wie intelligent wird KI einmal sein?“ oder „Wird es meine Mitarbeiter ersetzen?“, sondern praktisch zu fragen, wo GenAI heute bereits einen Unterschied machen kann.

Das Framework kurz erklärt

Zwei Fragen:

  1. Wie können wir KI effektiv nutzen trotz aller Einschränkungen?
  2. Wie können wir KI nutzen um Wettbewerbsvorteile zu erzielen?

Zwei Dimensionen:

Um den Antworten näher zu kommen schlagen die Autoren vor, Prozesse und Aufgaben entlang zweier Dimensionen zu bewerten:

1. Art des benötigten Wissens:
Handelt es sich um explizites Wissen (strukturierte Daten, dokumentierte Fakten) oder um implizites Wissen (Erfahrung, Kontext, zwischenmenschliche Signale)?

2. Risiko durch Fehlerkosten:
Welche Folgen hat ein Fehler? Sind sie gering (z. B. Entwurfsdokumente) oder hoch (z. B. rechtliche Verträge)?

Aus der Kombination entsteht eine Matrix mit vier Feldern. Aufgaben mit explizitem Wissen und niedrigen Fehlerkosten sind ideale Kandidaten für frühe Automatisierung. Aufgaben mit implizitem Wissen und hohen Fehlerkosten bleiben menschlich oder werden nur unterstützend durch KI begleitet.

Konkrete Schritte zum Anfangen

  1. Aufgaben zerlegen: Jedes Team listet Kernprozesse und bricht sie in Teilschritte herunter. So wird Automatisierungspotenzial sichtbar.
  2. Priorisieren nach Hebel: Teams wählen 2–3 Prozesse mit hohem Zeit‑/Kostenhebel und geringem Fehlerrisiko. Diese liefern schnelle, messbare Erträge.
  3. Kleine Tests, klare Kriterien: Kurze Proof‑of‑Concepts (4–8 Wochen) mit definierten Erfolgskriterien durch führen. Überprüfen und Feedback ist wichtiger als perfekte Technologie.
  4. Prüf‑ und Verantwortungsregeln: Definieren wer Ergebnisse prüft, welche Toleranzen gelten und wie Fehler eskaliert werden.
  5. Datenbasis schaffen: Explizite Datenquellen konsolidieren (z.b. aus ERP, CRM, aber auch Rechnungen, Produktdaten, Randsysteme, verschiedene Datensilos z.b. aus Akquisitionen).
  6. Organisationsfragen stellen: Überlegen wie gewonnene Zeit genutzt wird. Nicht nur Effizienz ist das Ziel, sondern auch neue Aufgabenfelder zu erschließen, die zuvor nicht wirtschaftlich oder möglich waren.

Typische erste Anwendungsfälle sind automatisierte Zusammenfassungen, erste Textentwürfe, Standardreports und Datenaufbereitung. Sie erhöhen Geschwindigkeit und Kapazität, ohne sofort tiefgreifende organisatorische Veränderungen zu erfordern.

Strategische Schritte

Neben dem gerade skizzierten, pragmatischen Vorgehen inklusive Quickwins gibt es natürlich Aufgaben, die mehr Zeit erfordern (z.b. wie auch schon Punkt 5 und 6). Die Infrastruktur aufzubauen, um Potenziale wirklich auszuschöpfen, dauert Jahre. Daher sollte möglichst schnell begonnen werden. Die eingangs gestellte Frage „Wie können wir KI nutzen, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen?“ fordert von uns, zu identifizieren, wo und wie wir Dinge anders machen können als die Wettbewerber. Da alle Zugang zu KI haben, werden offensichtliche Produktivitätssteigerungen zum neuen Branchenstandard. Nutzen Sie sie, solange sie einen Wettbewerbsvorteil bieten.

Fazit

Der HBR‑Artikel liefert keine KI Zukunftsvision, sondern einen konkreten Startpunkt für das Hier und Jetzt: Aufgaben analysieren, Risiken bewerten und dort beginnen, wo der Nutzen am größten ist. Für Mittelstand wie Konzern heißt das: pragmatisch testen, Daten in Ordnung bringen und klare Regeln für Verantwortung und Prüfung etablieren.

Als Institution mit Gewicht liefert die Harvard Business Review einen souveränen Ansatz, wie Unternehmen dem Thema KI begegnen können. In Zeiten von Verunsicherung und endlosem AI‑Slop ist die Unaufgeregtheit neben dem Inhalt genau das, was Unternehmen brauchen.

Sofort starten: KI-Matrix Canvas für KI‑Quickwins

Laden Sie das kompakte Arbeitsblatt herunter und starten Sie noch diese Woche: Unser PDF fasst das Framework präzise zusammen und enthält die Matrix, mit der Teams ihre Aufgaben schnell einordnen können. Perfektion ist nicht das Ziel. Sondern die sinnvolle, relative Verbesserung zum Status Quo. Nutzen Sie das Material als praktischen Leitfaden zum Brainstorming, für erste Tests und als Vorlage für Ihre Workshops


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Fußnoten / Quellen

The Gen AI Playbook for Organizations, Bharat N. Anand and Andy Wu, Harvard Business Review, November–December 2025, https://hbr.org/2025/11/the-gen-ai-playbook-for-organizations

“The Gen AI Playbook for Organizations” Wins 2025 HBR Prize, 07 Apr 2026, https://www.hbs.edu/news/releases/Pages/hbr-2025-prize.aspx

Titelbild: Eigenes Foto mit Abbildung der HBR Website

Grafik: Eigene Darstellung nach dem Modell von Anand und Wu